WebKit macht den Browsern unter Linux Beine

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Der Webbrowser Firefox ist für seine Geschwindigkeit nicht gerade berühmt. Genug andere Dinge kann man ihm ins Heft schreiben, aber eben was die Performance angeht, ist es ein Leichtes ihm die Butter vom Brot zu stehlen. Als Linuxbenutzer fällt das nicht immer so ins Gewicht, da es lange Zeit an Alternativen gemangelt hat. Neben Opera gab es da höchstens noch die Browser der jeweiligen Arbeitsumgebungen, z.B. Epiphany für gnome und einige sehr schlichte Webbrowser, die zwar schnell aber lange nicht mehr alles das darstellen konnten, was heute auf Webseiten üblich ist. Durch den Apple Browser Safari und Chrome von Google, ist der WebKit als schnelle Alternative zur Gecko Rendering Engine, der Mozilla Foundation, von der auch Firefox stammt, bekannt geworden. Doch obwohl WebKit seine Wurzeln im Linuxumfeld hat, war  dort die Verbreitung bisher gering.

Das könnte sich nun ändern, denn Epiphany nutzt seit seit diesem Jahr WebKit standardmässig, zudem stehen mit Midori und arora weitere WebKit-Browser in der Startlöchern. Alle drei habe ich meinem Rechner installiert und war vom subjektiven Geschwindigkeitseindruck überrascht. Vor allem auf Webseiten, die viel JavaScript verwenden, tritt das deutlich zu Tage. Aber das Gefühl kann auch trügen, deswegen habe ich versucht mit einem Benchmark, ein wenig Objektivität ins Spiel zu bringen. Als Testplattfrom diente ein Asus EeePC 901 (1 GB RAM, 1.6 GHz Atom CPU, 12 GB SSD) mit der Standardinstallation des Ubuntu 9.10 Netbook Remix. Firefox 3.5.4 ist vorinstalliert, Opera 10.01 wurde als Paket heruntergeladen und installiert. Epiphany 2.28.0, Midori 0.1.9 und arora 0.10.1 konnten aus dem Ubuntu Repository installiert werden.

Für die reine JavaScript-Performance dienten die Tests von Dromaeo. Jeder der fünf Browser musste dreimal alle Tests ausführen, aus den Ergebissen wurde der Mittelwert gebildet. Nach jedem Browser-Durchgang wurde das Netbook neu gestartet. Das Ergebnis (höher ist besser):benchmark_browser_performanceEpiphany und Midori führen mit jeweils run 150 runs/s vor arora mit 117 runs/s. Abgeschlagen ist der Firefox mit 60 run/s und Opera mit 50 runs/s ist sogar noch langsamer.

Nächster Testpunkt ist der Speicherverbrauch. Dazu wurde gemessen wieviel Speicher auf dem System mehr verbraucht ist, nachdem der Browser gestartet wurde und 10 definierte Webseiten besucht waren. Wieder gab es mit jedem Browser drei Durchgänge, aus denen der Mittelwert gebildet wurde und das System wurde nach jedem Durchgang neu gestartet. Das Ergebnis (niedriger ist besser):benchmark_browser_memoryDas Bild ist hier etwas anders. Opera schnitt zwar wieder vergleichsweise schlecht ab (196 MB), noch schlechter ist jetzt aber arora, das 230 MB verbraucht hat. Gewonnen haben wieder Epiphany mit 111 MB und Midori mit 122 MB verbrauchtem RAM. Firefox liegt mit etwa 141 MB in der Mitte. Der Speicherverbrauch wurde übrigens mit deaktivierten Plugins gemessen.

Resüme

Das Ergebnis spricht den Zahlen nach eindeutig für Epiphany und Midori. Was beiden noch fehlt sind Plugins. Für beide existiert ein AdBlock-Plugin um unerwünschte Werbung auszublenden, an die Leistungsfähigkeit von AdBlock Plus reichen sie aber noch nicht heran. Mir persönlich fehlt für die tägliche Arbeit etwas wie die Web Developer Toolbar und die Möglichkeit Bookmarks zu synchronisieren. Wo sich Epiphany bei mir schon binnen weniger Tage bewährt hat, ist die Arbeit mit dem WordPress Backend. Midori könnte sich einen festen Platz auf den Netbooks verschaffen, denn neben guter Performance und niedrigem Speicherverbrauch, ist es auch auf der Festplatte sehr genügsam und belegt dort nur 2,3 MB. arora muss wohl noch ein wenig reifen, evtl. schneidet dieser Browser auf einem Linuxsystem mit KDE besser ab, als auf dem gnome-basierten Ubuntu Netbook Remix.

flattr this!

Posted in IT | Tagged , , , , , , , , | Permalink

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>