
Geschafft! Das war der spontane Ausruf, als sich Samstag Nacht die Werkstatt der Möbelmacher vom Veranstaltungssaal der besonderen Art, wieder halbwegs in eine Schreinerei verwandelt hatte. Vorausgegangen waren zwei umtriebige Tage, deren Fokus zwar bei den Abendveranstaltungen lag, ihren Reiz aber über den gesamten Tag entwickelte. Es war spannend mitanzusehen, mit welcher Ruhe und dabei doch zielstrebig daran gearbeitet wurde, den „Social Media Abend“ und die Blues-Lesung „Blues und Kusz“ auf die Bühne zu bringen. Was ein gemeinsames Ziel doch alles zu Wege bringen kann. Aus meiner Sicht war besonders die Zusammenarbeit mit Matthias Meier (die-theatermaler.de), der sich um den richtigen Ton und das passende Licht kümmerte, erfreulich. Für den Livestream nicht ganz unwichtige Punkte. Umso besser, wenn es an der Stelle nicht nur nicht hakt, sondern auch noch eine gehörige Portion Humor mit im Spiel ist.
Überhaupt der Livestream. Leider hat es mit der 2-MBit-Standleitung am Ende doch nicht geklappt. Ein Techniker der Telekom, stellte bei der Messung der neuen Leitung fest, dass eine Störung vorhandener Anschlüsse zu befürchten ist und verweigerte daher die Installation. Soviel zum Thema Breitband auf dem Land. Immerhin konnten wir die vorhandene DSL-Leitung mit einer zusätzlichen UMTS-Verbindung entlasten und sie exklusiv für den Stream nutzen. Übertragen wurden die Vorträge des „Social Media Abends“ und „Blues und Kusz“. Beim netzaffinen Thema Social Media gab es zwischen 15 und 20 Zuseher. Die Blues-Lesung mit Fitzgerald Kusz und Klaus Brandl betrachteten maximal 10 Personen übers Netz. Ein interessierter Gast an beiden Abenden meinte dazu, dass es dafür ein vergleichsweise hoher Aufwand sei. In meinen Augen aber einer der sich gelohnt hat. Die zeitweise 20 Zusehern entsprachen immerhin einem Viertel der im Saal anwesenden Personen. „Blues und Kusz“ würde ich mir persönlich auch lieber vom Zuschauerraum aus ansehen. Trotzdem war es ein wichtiger Lerneffekt, auch diese Veranstaltung zu streamen.
Aus technischer Sicht verlief das Streaming problemlos. Mir sind nur zwei „Beschwerden“ zu Ohren gekommen. Eine betraf die Blidqualität des Streams, woran wir in Anbetracht der geringen Bandbreite nichts ändern konnten, entscheidend war, dass der Ton störungsfrei übertragen wurde. Die Zweite bezog sich auf den zu groß gewählten Bildausschnitt. Das ist einerseits sicher Geschmackssache, andererseits aber auch eine Situation, die sich dadurch ergibt, dass es keinen eigenen Kameramann/-frau gab. Während der Vorträge fehlte mir Zeit, die Kamera zu bedienen, da ich am Bildmischer die Folien passend einblenden musste.
Von interessierter Seite kam die Frage, warum ich mich für ustream.tv als Streaminganbieter entschieden hatte. Die Gründe sind relativ einfach. Von den kostenlosen Streaminganbieter, ist es derjenige, mit der „harmlosesten Werbung“ und mit dem brauchbarsten Bildmischer (ustream Producer). In der Vorauswahl waren auch livestream.com, justin.tv und make.tv. livestream.com schied aus, weil dort ausgerechnet Werbung für eine Fastfood-Kette in den Player eingeblendet wurde. Für justin.tv wären Kosten für eine zusätzliche Misch- und Streamingsoftware notwendig geworden. make.tv ist letztendlich ausgeschieden, weil mit der Produktionssoftware die Präsentation, die eingeblendet werden mussten, umständlich zu bedienen gewesen wäre.
Was das technische Setup angeht, hat es sich bewährt den Ton nicht über die eingebaute Soundkarte aufzunehemen. Stattdessen kam ein externer Mischer (Alesis Multimix 4 USB) zum Einsatz, der das Audiosignal digitalisert und per USB an den Rechner überträgt. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Man kann die Lautstärke intuitiv mit Potis einstellen und durch die symetrischen XLR Eingänge lassen sich lange Leitungswege überbrücken, die zwischen dem Saalmischpult und dem Rechner entstehen können.
Die Kamera war via Firewire am Rechner angeschlossen. Ganz pragmatisch, weil ich in der Vergangenheit häufig Probleme mit USB-Kameras hatte.
Selbstverständlich würde ich auch ein paar Dinge in Zukunft anders machen. Allem voran wäre die Investition in eine HD-kompatible Produktionssoftware. Leider musste ich feststellen, dass die kostenlose Version des ustream Producer nur 4:3 Kameras unterstüzt. Bei HD-Kameras wird ein störendes Wasserzeichen eingeblendet, selbst wenn der Stream nur 4:3 übertragen wird. Ausserdem wäre ein völlig werbefreies Streaming wünschenswert.
Zum „Social Media Abend“ selbst empfehle ich den Blick auf herwig Danzers Beitrag im Nachhaltigkeitsblog, dort sind auch die Präsentationen verlinkt. Ich bin schon gespannt wie sich das Thema weiterentwickelt. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn das Thema Web 2.0 und Social Media als Prozess begriffen wird. Dazu gehört auch ein Bekenntnis zu Transparenz und Partizipation. Das gilt für wirtschaftliche, ebenso wie für politische Interessensgruppen. Wer glaubt das Netz mit dem Werbesprech der 20. Jahrhunderts fluten zu können, ohne dabei in einen ehrlichen Dialog mit den Menschen zu treten, hat den entscheidenden Schritt zum Web 2.0 noch vor sich.