Vergangene Woche trieb der Artikel “Beschattung von oben” in der Netzaufmerksamkeit nach oben. Darin beschreibt Margret Kiosz welche alternativen Dienste zu Google Street View bereits vorhanden sind und zum Teil detailliertere Einblicke in die Vor- und Hintergärten erlauben. Ausserdem einige nicht ganz unlukrative Geldeinnahmequellen genannt, bei denen öffentliche Einrichtungen mit Geo-Daten handeln. In keinem der Fälle ist bisher Kritik aus den politischen Reihen gekommen.
Das ist sicher ein Wahrnehmungsproblem, dass man telefonbuch.de und sightwalk nicht auf der populistischen Agenda hatte und die Medien fanden sich wohl auch berauscht von der Möglichkeit, mit der Diskussion um Street View, dem erklärten Konkurrenten Google eines auszuwischen. Es ist aber auch ein schönes Beispiel dafür, dass häufig die schnellsten Schüsse nicht unbedingt mit differenzierter Zielanalyse abgegeben werden.
Ein wunderschönes Beispiel ist meine Heimatstadt Schwabmünchen. Dort war Google Street View das Thema einer Stadtratsitzung und man kam zu dem Beschluss, dass Schulen und Kindergärten dort nicht gezeigt werden sollen und dementsprechend Widerspruch eingelegt wird. Ausserdem wird auf der Webseite der Stadt Schwabmünchen seit Monaten prominent auf die Widerspruchsmöglichkeiten für die Bürger hingewiesen. Alles recht und schön, als Dienst am Bürger finde ich das wunderbar und die Bedenken, die möglicherweise wg. der Schulen bestehen, muss man ernst nehmen, auch wenn ich es selbst anders sehe. In Richtung Satire geht dann aber das was die Stadt Schwabmünchen selbst in Sachen Straßenansichten macht. Um die Baufortschritte der Innenstadtsanierung zu dokumentieren, wurde eine, zugegebenermassen sehr kleine, Fotogalerie veröffentlicht. Da kann man dann Häuserfassaden ansehen, Nummerschilder sind zu lesen und die Gesichter von Passanten und Bauarbeitern sind auch nicht verpixelt. Augenscheinlich hat sich da niemand Gedanken um potentielle Einbrecher, die Privatsphäre von Menschen und den Schutz der bürgerlichen Fassade gemacht. Oder wie darf man das verstehhen, dass Google Street View als das Böse vor dem Herrn behandelt wird und man selbst gibt sich freizügig?
Nette Geschichte am Rande, weil die Google-Fahrzeuge angeblich durch die Innenstadt fuhren, als gerade Bagger herumstanden, denkt der Bürgermeister laut einem Artikel der AZ darüber nach, sie zu einem “Nachdreh” einzuladen, damit die Stadt nicht auf ewig als Baustelle im Netz zu sehen ist. Da sag’ ich jetzt mal lieber nix dazu und wundere mich einfach nur
Ich persönlich finde das jedenfalls gut, was die Stadt Schwabmünchen da macht. Die Veröffentlichung der Fotos ist nicht nur rechtlich einwandfrei (Panoramafreiheit), es ist auch ein erster Schritt in Richtung Transparenz, der von mir aus gerne häufiger zu sehen sein darf. Meine Befürchtung ist aber, dass hier schlicht “Quod licet Iovi, non licet bovi” gilt und immer noch nicht so ganz der Zugang zu dem Thema gefunden wurde. Ein Formular für den Widerspruch oder den Kontakt zu einem Datenschutzbeauftragten habe ich auf www.schwabmuenchen.de jedenfalls nicht gefunden.
Weil es zum Thema passt. Letzte Woche wurde auf netzwertig.com das Ranking-Portal ihood vorgestellt. Auf ihood kann ein sog. soziale Status von Wohngegenden, bis hin zu einzelnen Häusern abgefragt werden. Was genau dieser soziale Status sein soll, wird nicht ausführlich erläutert. Erklärt wird lediglich:
Nach Eingabe der Adresse (oder Teilen davon) erhalten Sie Auskünfte über das Wohnumfeld und können sich über soziodemografische Merkmale wie beispielsweise Familienanteil, Altersstruktur oder Erwerbslosenquote in dem betreffenden Haus oder Straßenabschnitt informieren.
Keine Bilder, kein 3D, aber persönlicher und damit brisanter als Street View.
Foto: flickr-Benutzer jamesturnbull – CC by-sa


Wenn Google etwas ankündigt ist die Neugierde üblicherweise groß. So auch beim eigenen Betriebssystem 














