Posts Tagged: google


28
Aug 10

Der Jupiter und das Rindvieh

Vergangene Woche trieb der Artikel “Beschattung von oben” in der Netzaufmerksamkeit nach oben. Darin beschreibt Margret Kiosz welche alternativen Dienste zu Google Street View bereits vorhanden sind und zum Teil detailliertere Einblicke in die Vor- und Hintergärten erlauben. Ausserdem einige nicht ganz unlukrative Geldeinnahmequellen genannt, bei denen öffentliche Einrichtungen mit Geo-Daten handeln. In keinem der Fälle ist bisher Kritik aus den politischen Reihen gekommen.

Das ist sicher ein Wahrnehmungsproblem, dass man telefonbuch.de und sightwalk nicht auf der populistischen Agenda hatte und die Medien fanden sich wohl auch berauscht von der Möglichkeit, mit der Diskussion um Street View, dem erklärten Konkurrenten Google eines auszuwischen. Es ist aber auch ein schönes Beispiel dafür, dass häufig die schnellsten Schüsse nicht unbedingt mit differenzierter Zielanalyse abgegeben werden.

Ein wunderschönes Beispiel ist meine Heimatstadt Schwabmünchen. Dort war Google Street View das Thema einer Stadtratsitzung und man kam zu dem Beschluss, dass Schulen und Kindergärten dort nicht gezeigt werden sollen und dementsprechend Widerspruch eingelegt wird. Ausserdem wird auf der Webseite der Stadt Schwabmünchen seit Monaten prominent auf die Widerspruchsmöglichkeiten für die Bürger hingewiesen. Alles recht und schön, als Dienst am Bürger finde ich das wunderbar und die Bedenken, die möglicherweise wg. der Schulen bestehen, muss man ernst nehmen, auch wenn ich es selbst anders sehe. In Richtung Satire geht dann aber das was die Stadt Schwabmünchen selbst in Sachen Straßenansichten macht. Um die Baufortschritte der Innenstadtsanierung zu dokumentieren, wurde eine, zugegebenermassen sehr kleine, Fotogalerie veröffentlicht. Da kann man dann Häuserfassaden ansehen, Nummerschilder sind zu lesen und die Gesichter von Passanten und Bauarbeitern sind auch nicht verpixelt. Augenscheinlich hat sich da niemand Gedanken um potentielle Einbrecher, die Privatsphäre von Menschen und den Schutz der bürgerlichen Fassade gemacht. Oder wie darf man das verstehhen, dass Google Street View als das Böse vor dem Herrn behandelt wird und man selbst gibt sich freizügig?

Nette Geschichte am Rande, weil die Google-Fahrzeuge angeblich durch die Innenstadt fuhren, als gerade Bagger herumstanden, denkt der Bürgermeister laut einem Artikel der AZ darüber nach, sie zu einem “Nachdreh” einzuladen, damit die Stadt nicht auf ewig als Baustelle im Netz zu sehen ist. Da sag’ ich jetzt mal lieber nix dazu und wundere mich einfach nur ;-)

Ich persönlich finde das jedenfalls gut, was die Stadt Schwabmünchen da macht. Die Veröffentlichung der Fotos ist nicht nur rechtlich einwandfrei (Panoramafreiheit), es ist auch ein erster Schritt in Richtung Transparenz, der von mir aus gerne häufiger zu sehen sein darf. Meine Befürchtung ist aber, dass hier schlicht “Quod licet Iovi, non licet bovi” gilt und immer noch nicht so ganz der Zugang zu dem Thema gefunden wurde. Ein Formular für den Widerspruch oder den Kontakt zu einem Datenschutzbeauftragten habe ich auf www.schwabmuenchen.de jedenfalls nicht gefunden.

Weil es zum Thema passt. Letzte Woche wurde auf netzwertig.com das Ranking-Portal ihood vorgestellt. Auf ihood kann ein sog. soziale Status von Wohngegenden, bis hin zu einzelnen Häusern abgefragt werden. Was genau dieser soziale Status sein soll, wird nicht ausführlich erläutert. Erklärt wird lediglich:

Nach Eingabe der Adresse (oder Teilen davon) erhalten Sie Auskünfte über das Wohnumfeld und können sich über soziodemografische Merkmale wie beispielsweise Familienanteil, Altersstruktur oder Erwerbslosenquote in dem betreffenden Haus oder Straßenabschnitt informieren.

Keine Bilder, kein 3D, aber persönlicher und damit brisanter als Street View.

Foto: flickr-Benutzer jamesturnbullCC by-sa


5
Jul 10

Wie Google funktioniert

How Does Google Work?
Infographic by PPC Blog

via Spreeblick


18
Jun 10

Google Street View und die Sehnsucht nach den 1950ern

Man muss kein erklärter Google-Fan sein, um die Diskussion um Street View und die Gefahren, die sich daraus ergeben sollen, als unausgegoren zu bezeichnen. Bedenkt man welche Überwachungsstrukturen der Staat in den letzten Jahren aufgebaut hat und mit welcher Freude der kleinste Winkel mit Kameras überwacht wird, mutet es schizophren an, ausgerechnet bei Street View den Untergang des Abendlands herbeizureden.

Keine Frage, die Öffentlichkeitsarbeit von Google war in dem Zusammenhang unter aller Kanone. Dass WLAN-Daten aufgezeichnet werden, war eigentlich jedem klar, der auch nur einmal einen Computer von innen gesehen hat. Wenn das abgestritten wurde, dann passierte das ausschliesslich mit dem Hintergedanken keine schlechte Presse zu bekommen. Die gab es dann aber doch, als klar wurde, dass es so wie von Google dargestellt wurde gar nicht sein kann. Die suboptimale Öffentlichkeitsarbeit von Google zeigt das eigentlich Problem.
Was Google mit Street View macht überfordert viele Bürger, begründet oder unbegründet ist dabei vollkommen egal. Gleichzeitig legt Google einen Habitus an den Tag, der rein technokratisch orientiert ist und nicht akzeptiert, dass es ein Leben jenseits des Internets gibt.
Als die Diskussion um die aufgezeichneten WLAN-Daten entbrannte, hat man darauf verwiesen, dass das Vorgehen in einem Blogbeitrag dokumentiert wurde und damit ja jedem bekannt sein sollte. Das kann aber eben nur der wissen, der das Blog liest und überhaupt eine Internetanbindung hat. Wenn ich mir ansehe was in meiner Gegend zum Teil für langsame Datenraten üblich sind, kann ich mir gut vorstellen, dass da nicht jeder regelmässiger Leser des Google-Blogs ist.

Die Entrüstung, die mitunter in der Kritik zu hören ist, offenbart aber auch noch ein anderes Phänomen. Es wird darin ein An- bzw. Eingriff in das eigene geschützte Nest gesehen. Till Westermayer bringt es in meinen Augen gut auf den Punkt:

dass es gerade in Deutschland zu so einer vehementen Bürgerbewegung der Häusle-Bauer gegen Google Street View kommt, hat … viel mit dem Drang, Zäune und Mauern zu bauen [zu tun], sich abzuschotten und bloß nicht über Geld (z.B. das Gehalt) zu reden oder den Mief hinter der Heile-Welt-Fassade – aus 3 m Höhe vielleicht einsehbar – zu thematisieren.

Vergessen wird in der Diskussion auch, wie die technischen Möglichkeiten bereits sind. Mit Panoramio ist es schon länger möglich Bilder in Landkarten zu integrieren und sich so einen bildlichen Eindruck eines Ortes zu verschaffen. Panoramio gehört seit 2007 zu Google und wurde jetzt als eine Art Google Street View light in Google Maps integriert. Bei SmüPedia habe ich die These aufgestellt, dass es damit möglich wäre alle Gebäude einer Stadt aufzunehmen und einzubinden. Dabei gäbe es weder verpixelte Bilder, noch würden Autokennzeichen unkenntlich gemacht werden. Rechtlich wäre das einwandfrei,vorausgesetzt man hält sich an die Regelungen zur Panoramafreiheit. Crowdsourcing wäre das dann und hat in einem anderen Zsaummenhang schon einmal funktioniert. OpenStreetMap wurde aus der Not geboren, dass es keine freien Kartendaten gab. Also sind Enthusiasten losgezogen und haben mit ihren GPS Geräten die Daten selbst aufgezeichnet und daraus hat sich ein Datenbestand entwickelt, der häufig sogar aktueller ist, als das Kartenmaterial kommerzieller Anbieter.

Ich für meinen Teil fürchte die Beschneidung der Panoramafreiheit jedenfalls mehr, als eine Kamera auf einem Autodach. Das sammeln der WLAN-Daten kann einfach durch Verschlüsselung verhindert werden, wer das nicht macht lädt quasi jeden dazu ein, sich den Datenverkehr anzusehen. In dem Zusammenhang passt dann auch mal der Gemeinplatz von der offenen Haustür.

Foto: flickr-Benutzer jamesturnbullCC by-sa


13
Apr 10

Google Docs goes Etherpad

Nachdem der Online-Editor Etherpad von Google aufgekauft wurde, stellte sich für viele die Frage was Google mit dem Know-How anfangen würde. Viele spekulierten damit, dass es in Google Wave integriert würde. Glücklicherweise ist das nicht der Fall, stattdessen wird Google Docs um die Funktion der Echtzeit-Kollaboration erweitert. Dokumente können jetzt gleichzeitig von mehreren Benutzern editiert werden, zur Koordination untereinander steht ein Chat zur Verfügung. Damit wird Google Docs in meinen Augen endlich zu einem verwendbaren Werkzeug für virtuelle Teams, bisher war es nicht viel mehr als ein Officepaket im Netz. Das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten unterscheidetet sich nicht wesentlich von dem, was man mit klassischen Officepakten und einem, von allen Teammitgliedern erreichbaren Speicherort auch schon bewerkstelligen konnte.

Darüberhinaus gab es auch weitere Erweiterung, z.B. wurde die Formatierung verbessert, mehr das zu in einem Video von Google.

via Schockwellenreiter + GoogleWatchBlog

p.s. Meine Arbeit an CoPad, der eingedeutschten Version von Etherpad, geht natürlich trotzdem weiter. Weil, wie Martin Lindner richtig bemerkt, ein Unterschied zwischen der Bearbeitung von Texten und Dokumenten besteht. In meinen Augen ist ebenfalls wichtig, dass nicht jeder einen Google Account hat bzw. haben will, um mit anderen einen Text zu be-/erarbeiten.


22
Nov 09

Chromium OS als virtuelle Maschine installieren

google_chromeWenn Google etwas ankündigt ist die Neugierde üblicherweise groß. So auch beim eigenen Betriebssystem Chromium OS. Das ursprünglich als Chrome OS bezeichnete Betriebssystem ist nach Android das zweite Linuxderivat, das Google veröffentlicht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Google Produkten, die überwiegend intuitiv zu bedienen sind, ist Chromium OS noch eher eine Bastelbude. Ohne eingehendere Programmierkenntnisse lässt es sich jedenfalls selbst mit der Anleitung nicht installieren. Ein Glück, dass die Netzgemeinde es gut meint und ein VMWare-Diskimage zur Verfügung stellt. Vorausgesetzt VMWare, z.B. der kostenlose VMWare Player, oder Virtualbox ist auf dem Rechner installiert, lässt sich der neue Wurf von Google gefahrlos auf dem eigenen PC bzw. Mac ausprobieren.

Eine englischsprachige Anleitung zur Installation des VMWare-Diskimage mit Virtualbox:

Eine englischsprachige Anleitung zur Installation des VMWare-Diskimage mit dem VMWare Player: