Man muss kein erklärter Google-Fan sein, um die Diskussion um Street View und die Gefahren, die sich daraus ergeben sollen, als unausgegoren zu bezeichnen. Bedenkt man welche Überwachungsstrukturen der Staat in den letzten Jahren aufgebaut hat und mit welcher Freude der kleinste Winkel mit Kameras überwacht wird, mutet es schizophren an, ausgerechnet bei Street View den Untergang des Abendlands herbeizureden.
Keine Frage, die Öffentlichkeitsarbeit von Google war in dem Zusammenhang unter aller Kanone. Dass WLAN-Daten aufgezeichnet werden, war eigentlich jedem klar, der auch nur einmal einen Computer von innen gesehen hat. Wenn das abgestritten wurde, dann passierte das ausschliesslich mit dem Hintergedanken keine schlechte Presse zu bekommen. Die gab es dann aber doch, als klar wurde, dass es so wie von Google dargestellt wurde gar nicht sein kann. Die suboptimale Öffentlichkeitsarbeit von Google zeigt das eigentlich Problem.
Was Google mit Street View macht überfordert viele Bürger, begründet oder unbegründet ist dabei vollkommen egal. Gleichzeitig legt Google einen Habitus an den Tag, der rein technokratisch orientiert ist und nicht akzeptiert, dass es ein Leben jenseits des Internets gibt.
Als die Diskussion um die aufgezeichneten WLAN-Daten entbrannte, hat man darauf verwiesen, dass das Vorgehen in einem Blogbeitrag dokumentiert wurde und damit ja jedem bekannt sein sollte. Das kann aber eben nur der wissen, der das Blog liest und überhaupt eine Internetanbindung hat. Wenn ich mir ansehe was in meiner Gegend zum Teil für langsame Datenraten üblich sind, kann ich mir gut vorstellen, dass da nicht jeder regelmässiger Leser des Google-Blogs ist.
Die Entrüstung, die mitunter in der Kritik zu hören ist, offenbart aber auch noch ein anderes Phänomen. Es wird darin ein An- bzw. Eingriff in das eigene geschützte Nest gesehen. Till Westermayer bringt es in meinen Augen gut auf den Punkt:
dass es gerade in Deutschland zu so einer vehementen Bürgerbewegung der Häusle-Bauer gegen Google Street View kommt, hat … viel mit dem Drang, Zäune und Mauern zu bauen [zu tun], sich abzuschotten und bloß nicht über Geld (z.B. das Gehalt) zu reden oder den Mief hinter der Heile-Welt-Fassade – aus 3 m Höhe vielleicht einsehbar – zu thematisieren.
Vergessen wird in der Diskussion auch, wie die technischen Möglichkeiten bereits sind. Mit Panoramio ist es schon länger möglich Bilder in Landkarten zu integrieren und sich so einen bildlichen Eindruck eines Ortes zu verschaffen. Panoramio gehört seit 2007 zu Google und wurde jetzt als eine Art Google Street View light in Google Maps integriert. Bei SmüPedia habe ich die These aufgestellt, dass es damit möglich wäre alle Gebäude einer Stadt aufzunehmen und einzubinden. Dabei gäbe es weder verpixelte Bilder, noch würden Autokennzeichen unkenntlich gemacht werden. Rechtlich wäre das einwandfrei,vorausgesetzt man hält sich an die Regelungen zur Panoramafreiheit. Crowdsourcing wäre das dann und hat in einem anderen Zsaummenhang schon einmal funktioniert. OpenStreetMap wurde aus der Not geboren, dass es keine freien Kartendaten gab. Also sind Enthusiasten losgezogen und haben mit ihren GPS Geräten die Daten selbst aufgezeichnet und daraus hat sich ein Datenbestand entwickelt, der häufig sogar aktueller ist, als das Kartenmaterial kommerzieller Anbieter.
Ich für meinen Teil fürchte die Beschneidung der Panoramafreiheit jedenfalls mehr, als eine Kamera auf einem Autodach. Das sammeln der WLAN-Daten kann einfach durch Verschlüsselung verhindert werden, wer das nicht macht lädt quasi jeden dazu ein, sich den Datenverkehr anzusehen. In dem Zusammenhang passt dann auch mal der Gemeinplatz von der offenen Haustür.
Foto: flickr-Benutzer jamesturnbull – CC by-sa

