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Fahrzeuge für das 21. Jahrhundert

Erinnert sich noch jemand an die Bauanleitungen mit dem Titel “Einfälle statt Abfälle”? Besonders die Reihe mit den Fahrradbasteleien hatte es mir angetan. Was habe ich in Keller und Garage an allem möglichen Schrottrahmen herumgewerkelt um mir Lasten- und Liegeräder zu bauen. Sogar mein erster Fahrradanhänger war selbst zusammengeschweißt. Heute kann man das alles in guter Qualität kaufen, Mitte der 80er war man schon froh wenn in den “Fachgeschäften” brauchbare Fahrräder standen. Damit will ich nicht behaupten, dass meine Kreationen von herausragender Qualität waren. Ganz im Gegenteil. Heute weiss ich, dass es Stahlsorten gibt die man besser nicht schweißt und Kaltlöten nichts für stark beanspruchte Rahmenteile ist. Leider ist mit dem Wissenszuwachs auch der Rückgang der Bastelleidenschaft einhergegangen.

Das könnte sich jetzt aber ändern. Beim Anhören des aktuellen Chaosradio Express Podcasts habe ich Lunte gerochen. Tim Pritlove unterhält sich mit gismo von Elektronenrad darüber wie man sich sein eigenes Elektrorad bauen kann. Genauer gesagt geht es um die sog. Pedelec, also Fahrräder die mit einem Elektro-Hilfsmotor ausgerüstet sind. Damit ist es möglich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h am Verkehr teilzunehmen ohne dafür eine Zulassung, Versicherungsschutz oder Führerschein zu benötigen, auch eine Helmpflicht besteht nicht. Ansonsten gelten alle Verkehrregeln und technischen Vorschriften wir für Fahrräder auch, einziger Unterschied ist, dass der Fahrer eines Pedelec mindestens 15 Jahre alt sein muss. 

Eingefleischte Radfahrer mögen nun einwerfen, dass man bei der geringen GEschwindigkeit auch gleich auf den Motor verzichten könnte. Was das Gewicht angeht haben sie auch vollkommen recht, denn Motor, Steuerung und Akkus belasten Fahrer und Velo mit zusätzlichen 15 kg. Unter uns, 25 km/h ist mit einem Alltagsrad auf Dauer ein ganz schönes Tempo, das Durchschnittsradler nicht lange halten. Die Motorunterstützung nimmt gerade beim Anfahren mit beladenem Anhänger einiges an Stress. Ausserdem wird die Entscheidung zwischen “geht noch per Rad” und “Auto ist doch bequemer” in Richtung Fahrrad beeinflusst. Bei mir ist immer das Problem, dass ich die üblichen Haushaltseinkäufe locker zu Fuss erledigen kann. Spezialaufträge wie der zweiwöchentliche Besuch des Hofladens, Vorratskäufe oder gar Beschaffungstouren für Feste sind selbst mit zwei Gepäckträger nicht mehr zu machen, abgesehen davon ist der hintere mit dem Kindersitz auch schon belegt. Da muss dann das Auto als Transportmittel herhalten. Rechtfertigungen gibt es genug: mehr Platz, das Kind ist schnell untergebracht und die beiden Anstiege auf dem Weg lassen sich auch einfacher nehmen.

Im Gegensatz zu meinen jugendlichen Handwerkskünsten ist die Umrüstung eines Fahrrads zu einem Pedelec eine überschaubare Aktion. Was man natürlich braucht ist ein möglichst stabiles Fahrrad mit guten Bremsen, idealerweise Hydraulik. Mein Alltagsrad fällt in diese Kategorie. Als ich es seinerzeit zusammengestellt habe war Gepäcktransport und hohe Laufleistung das wichtigste Designziel. Was noch fehlt ist der Motor samt Steuerung und Akkus, das bekommt man z.B. von Crystalyte. Da es sich um einen Nabenmotor handelt muss man das Vorderrad austauschen oder zumindest das alte Entspeichen und mit dem Motor als neuer Nabe wieder einspeichen. Dann noch ein paar Kabel verlegt, eine stabile Akkuhalterung gedengelt und schon kann es losgehen. Ein Glück, dass ich mir für dieses Jahr nicht vorgenommen habe meinen Wohlstandsbauch mit Fahrradfahren abzutrainieren. Der Trainigseffekt mit einem Pedelec dürfte nicht weit über reine Willensbekundung hinausgehen. Dafür bieten sich unzählige Variationen der technischen Realisierung. Wie wäre es mit einem elektro-unterstützten Lastenfahrrad, bei dessen Gewicht fallen 15 Mehrkilo gar nicht auf. Elegant fände ich auch einen Anhänger mit Motor der das Fahrrad schiebt (so wie hier). Dann müsste man das zusätzliche Gewicht nur dann mitschleppen wenn eh Lastentransport angesagt ist. Wie ich mich kenne wird aber die einzige Bonusaktion die sein, dass ich den Mikrokontroller der Steuerung umprogrammiere.
Wer auch neugierig geworden ist, sollte sich mal bei extraenergy.org umsehen, dort geht es neben Pedelec auch um andere Elektrofahrzeuge. Vom Chaos Communication Camp 2007 gibt es die Videoaufzeichung eines Vortrags über das Elektronenbike (420 MB).

Die “Einfälle statt Abfälle” Hefte gibt es übrigens immer noch, auf www.einfaelle-statt-abfaelle.de können sie bestellt werden. Das Design hat sich in den letzten 25 Jahren jedenfalls nicht verändert und einige Titel scheinen vergriffen zu sein. Aber “mein” Chopper-Rad gibt es noch!

Falls jemand Lust verspürt selbst ein Fahrrad zum Pedelec umzubauen, bei Ebay versteigere ich gerade einen meiner, so gut wie unbenutzten, Motoren von Nine Continent.

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One Response to Fahrzeuge für das 21. Jahrhundert

  1. Christian says:

    Was mich an Pedelecs stört ist die Philosophie seiner Mobilität: Solange nicht selbst die Kraft zur Fortbewegung aufgewendet werden muss, scheint das Pedelec als Alternative zum Auto grade in der Stadt Karriere zu machen. Dabei dient die Fortbewegung nur dazu, sich von A nach B zu bewegen. Keine Lasten, keine Wocheneinkäufe, keine Kinder im Sitz etc., die einen Motor rechtfertigen würden.
    Das ist schade, denn so gehört das elektrische Fahrrad lediglich zum motorisierten Individualverkehr.
    Das Radfahren als eine effiziente und absolut ökologische Fortbewegung zu erfahren und sich vom Kosmos lediglich elektrisch bewegter Dinge zu lösen wird durch das Pedelec leider erschwert.

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