Auf dem Socialcamp 09 habe ich Guido Brombach kennengelernt, der dort von seiner Idee erzählte Geocaching in der Bildungsarbeit einzusetzen. Die Idee hat mich begeistert, zumal ich selbst Geocaching schon in ähnlichen Projekten eingesetzt habe und davon überzeugt bin, dass es sich zu vielen Themenbereichen einsetzen lässt. Um das weiter zu vertiefen, traf sich vor zwei Wochen eine illustre Runde in Weimar. Der Titel der Veranstaltung lautete “Geocaching – Vergessene Orte der Demokratie” und macht deutlich, dass es darum ging mit Geocaches Orte bzw. historische Ereignisse ins Bewusstsein zu rufen, die ansonsten unbekannt sind.
Ein Beispiel, das von Burkhardt Kolbmüller vorgestellt wurde, war die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung in Schwarzburg. Kaum jemand ist bekannt, dass die Unterschrift von Friedrich Ebert dort geleistet wurde. Der Ort, der mit der ersten praktizierten demokratische Verfassung Deutschlands in Verbindung gebracht wird, ist in der Regel nur Weimar. Ein Geocache, der dort versteckt wird, könnte Dokumente enthalten, die aus der Zeit der Unterzeichnung stammen und so Schwarzburg als Teil der demokratischen Entwicklung ins Bewusstsein rufen.
Doch was ist eigentlich das Faszinierende am Geocaching, das es für die Bildungsarbeit so interessant macht? Um das am eigenen Leib zu erfahren, haben wir am Abend zwei Geocaches in Weimar gesucht. Die erste Beobachtung war, dass sich die Gruppe schnell selbst organisierte ohne dabei explizite Aufgaben an einzelne Gruppenmitglieder zu vergeben – Kooperation über das gemeinsame Ziel den Cache zu finden. Auf dem Weg zum Cache wandelte sich die Wahrnehmung, je näher es dem Ziel ging, umso stärker fokusierte sich der Blick. Das zeigte sich auch an der Kommunikation innerhalb der Gruppe. Auf den hundert Metern in Richtung Cache kreisten die Gespräche eher allgemein um die Themen Geocaching und den Ort Weimar. Fokusierten sich dann auf den Park, den Fluss und die Baumgruppe die es zu durchsuchen gab.
Diese Fokusierung lässt sich wunderbar didaktisch einsetzen ohne dabei mit Kalkül vorzugehen. Ein Educache könnte mit dem Auffinden des Caches sogar noch einen neuen Blickwinkel hinzufügen. Über Materialien, die hinterlegt sind, ergibt sich ein Blick in die Vergangenheit, der quasi an Ort und Stelle mit der Gegenwart verglichen werden kann. Das können z.B. bauliche Veränderungen sein, ebenso wie gesellschaftliche Prozesse.
So galt es am zweiten Tag, das Konzept Educache praktisch mit Leben zu erfüllen. Wie sollte so ein Cache aussehen, wie wird er versteckt, was für Inhalte sollte er haben und vor allem welche Themen sollen behandelt werden? Für die Zusammenfassung der Ergebnisse wurde ein Wiki eingerichtet, das auch anderen Interessierten offen steht. Für Januar ist ein weiteres Projekttreffen geplant. Bis dahin hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit erste Erfahrungen mit dem Erstellen eines Caches zu sammeln, quasi “learning on the job”. Möglicherweise ergeben sich bis dahin noch weitere Kooperationsmöglichkeiten, denn Geocaching wird bereits aktiv in Bildungsprojekten eingesetzt, nur weitgehend ohne Informationsaustausch.
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