Als der kalte Krieg nach Gunzenhausen kam

HKH Gunzenhausen 005Nur wenige Eingeweihte wussten bis Ende der 1980er Jahre, dass sich hinter dem unscheinbaren Treppenabgang beim Berufsschulzentrum Gunzenhausen, eine Bunkeranlage verbirgt. Errichtet wurde sie Anfang der  1960er Jahre und beherbergte das erste vollgeschützte Hilfskrankenhaus der BRD. Hilfskrankenhäuser, so war zumindest die Idee der damaligen Bundesregierung, sollten im Fall von Krieg und Katastrophen die Kapazität der existierenden Krankenhäuser erweitern und die medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleisten. Glücklicherweise kam es nie dazu und einhergehend mit der Entspannung des Ost-West-Konflikts wurden die Hilfskrankenhäuser stillgelegt, so auch das in Gunzenhausen. Doch während die meisten anderen Hilfskrankenhäuser leergeräumt wurden, blieb hier ein Gutteil der Ausstattung erhalten. Eine Sonderstellung nimmt die Anlage auch in anderer Hinsicht ein, es wurde, ausserhalb von Übungen, tatsächlich genutzt. Für etwa 350 DDR-Flüchtlinge war 1989 das Hilfskrankenhaus Gunzenhausen die erste Schlafstätte in der BRD und ähnlich ging es 1990 rumänischen Aussiedlern, die dort einige Tage unterkamen. Der medizinische Trakt wurde allerdings nicht aktiviert, lediglich die Krankenzimmer wurden als Schlafräume verwendet.

HKH Gunzenhausen 035Wenn man heute, knapp 20 Jahre nach dem erklärten Ende des kalten Kriegs, durch den Bunker läuft, mag man sich kaum vorstellen, dass hier 450 Personen auf 4000 qm untergebracht und medizinisch versorgt werden sollten. Mit dem medizinischen und technischen Personal hätten sich 600 Menschen in dem Bunker aufgehalten und im Extremfall 14 Tage auf Entwarnung gewartet. Erst dann hätten die schweren Türen wieder geöffent werden sollen. Wie eng es dabei zugangen wäre, zeigen die Krankenzimmer für jeweils 30 Patienten in Stockbetten. Lediglich für Frischoperierte und Intensivpatienten gab “normale” Krankenbetten. Noch heute wirkt der OP-Trakt bedrückend. In den Operationsälen stehen Tische und Leuchten bereit, an den Wänden sind Kisten mit Operationsbesteck gestapelt.

HKH Gunzenhausen 083Was wäre, wenn sich die Türen des Bunker jetzt schliessen würden? Wirklich vorstellen mag sich das wahrscheinlich keiner der Anwesenden und so wirkt die Begeisterung für alles Technische im Bunker, wie das ängstliche Pfeifen im Wald. Zum Glück geht es nach einer Stunde auch wieder ans Tageslicht, doch das bedrückende Gefühl bleibt, dass solche Bunkeranlagen nicht nur dem Schutz der Bevölkerung dienten, sondern auch Teil des militärischen Kalküls waren, das aus einem potentiellen Angriffsszenario, die moralische Rechtfertigung für die Verteidung ableitete. Verletzte und Tote waren dabei nur Zahlen, die es galt von der Straße zu bringen, um das Gefechtsfeld freizuhalten. Daher ist es eigentlich schade, dass Anlagen, wie das Hilfskrankenhaus in Gunzenhausen so ein Schattendasein führen und nur auf Initiative von Privatpersonen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden. Dabei liesse sich die Sinnlosigkeit des Krieges und der Irrsinn militärischer Denkweisen anhand solcher Bauwerke zeigen.

Bis zur nächsten öffentlichen Führung, bleiben nur die Bilder vom Hilfskrankenhaus Gunzenhausen (als Diashow). Lesenswert ist in dem Zusammenhang der Artikel über Hifskrankenhäuser auf lostplaces.de. Der Bayerische Rundfunk hat einen drei Minuten langen Beitrag über das HKH für die Abendschau produziert.

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8 Responses to Als der kalte Krieg nach Gunzenhausen kam

  1. Pingback: Farmblogger

  2. claus says:

    Grüß Gott, Herr Wenzl!

    Mit ihrer Erlaubnis sende ich folgenden blog mit der Umfrage an den Redakteur des Altmühl-Boten Wolfgang Dressler.

    Bitte kurze Info. DANKE!

    Ihr Claus Eutin

    http://gunzenhausen.blogspot.com/

  3. @claus:
    Der Hintergrund Ihrer Anfrage, erschliesst sich mir jetzt nicht auf Anhieb, das mag am Sonntag Morgen aber meiner Schläfrigkeit geschuldet sein.
    In meinen Augen stehen Artikel im Netz, damit sie JEDER lesen kann, auch besagter Redakteur das Altmühl-Boten. Von daher, nur zu. Nur tun Sie mir bitte einen Gefallen, wärmen sie nicht unnötig die “Blogger vs. Journalisten Debatte” auf.
    Ansonsten viel Erfolg für ihr Blogprojekt in Gunzenhausen! Ich finde hyperlocal blogs ungeheuer spannend.

  4. claus says:

    @ Michael Wenzl: Merci für Ihre Antwort. Um die Debatte “Blogger vs. Journalisten” nicht unnötig aufzuwärmen, werde ich lieber darauf verzichten den Blog mit dem Umfrageergebnis an den Redakteur zu senden.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude beim Publizieren.

  5. Pingback: Beitrag über das Hilfskrankenhaus Gunzenhausen | Freischwebende Aufmerksamkeit

  6. Marcel Geitner says:

    Hallo Herr Wenzl
    Zur Zeit bin ich Schüler des Simon-Marius-Gymnasium in Gunzenhausen und besuche die Jahrgangsstufe Q11.Infolge der projektorientierten Ausbildung des G8 bin ich Teil einer Seminargruppe, die bezüglich des Hilfskrankenhauses unter der Berufsschule in Gunzenhausen Daten für das hiesige Landratsamt zusammenfassen.In diesem Bezug haben wir auch schon in dem örtlichen Archiv des “Altmühlboten” nach Daten gesucht.Die Fotos, die sie auf ipernity hochgeladen haben würden uns sehr interessieren.Könnten Sie vielleicht mir diese schicken?

  7. David Scholz says:

    Hallo Herr Wenzl,
    als Gesamtprojektleiter des (von Marcel Geitner angesprochenen) Projektseminars wollte ich Sie fragen, ob sie interessiert an einem Treffen mit einigen unserer Gruppenmitglieder wären um ihr wissen ein bisschen mit uns zu teilen.
    Ich würde über eine Antwort sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen
    David Scholz

  8. @Marcel + @David:
    Ich habe Euch eine Mail deswegen geschrieben.

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