Ablenken

Das Interview, das Martin Sonneborn mit Peter Schmidt, dem Geschäftführer des Lobbyverbands Pro Generika e.V., geführt hat, geistert gerade, nicht ganz zu Unrecht, durchs Netz. Thema ist die angeblich missliche Lage von Generikaherstellern, die sich durch billige Angebote aus Asien bedroht sehen. Generika sind Kopien von Arzneimitteln, die in der Regel auf den Markt kommen, nachdem der Patentschutz durch den Originalhersteller ausgelaufen ist. Typischerweise sind diese Generika billiger als die Originalpräparate.

Meine Lieblingsstelle, die examplarisch für Öffentlichkeitsarbeit von Lobbyisten steht, beginnt etwa bei 2:00. Sonneborn fragt Schmidt was er einem Käufer asiatischer Generika sagen würde. Der Lobbyist antwortet wahrheitsgemäss, dass alle in Deutschland angebotenen Medikamente Mindeststandards einhalten müssen und damit nicht schlechter sind als andere. Stellt aber scheinbar während er das sagt schon fest, dass die Formulierung nicht allzu glücklich ist und Sonneborn hakt noch explizit nach, ob die Aussage so stehen bleiben soll. Peter Schmidt fragt daraufhin bei einer Person im Hintergrund, vermutlich ein Pressesprecher, nach, wie das besser zu formulieren sei. Von ihr kommt der Hinweise doch zu sagen, es sei immerhin gut, dass der Patient seine Medikamente in der Apotheke und nicht übers Internet kaufe.

Antworten und dabei nichts zu sagen ist die wichtigste Disziplin des Lobbyismus. Was mich am konkreten Fall nur verwundert ist, dass es keinen Spickzettel gibt. Für ungenehme Frage ist es nicht unüblich geprobte Standardphrasen im Repertoire zu haben.

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