Quo Vadis Typepad

Der Bloghoster Typepad hat angekündigt, dass der europäische Support ab Mai 2013 eingestellt wird. Im Gegenzug dürfen die europäischen Typepad-Nutzer das Blogsystem von da an kostenfrei nutzen. Das hat an der einen oder anderen Stelle, eine gewisse Nervosität darüber ausgelöst, ob das baldige Ende von Typepad naht und was denn nun zu tun sei. Der Umzug auf eine andere Blog-Plattform scheint näher zu liegen, als je zuvor.

Grundsätzlich ist es bei Typepad möglich die Inhalte als „Movable Type Import Format“ zu exportieren. Das Format ist eine Textdatei, die dem HTML-Code der Einträge und Metainformation, wie etwas Autor, Kategorien etc., enthält. Mit dieser Datei im Gepäck, kann man sich daran machen und ein neues Blog aufsetzen. Für WordPress gibt es eine entsprechende Import-Funktion, sowohl für gehostete (also wordpress.com) Blogs, wie auch solche, die auf dem eigenen Server betrieben werden.

Selbstverständlich kann die Datei auch in eine Instanz von Moveable Type (MT) importiert werden. MT ist quasi das CMS, mit dem auch Typepad arbeitet. Es steht als Open Source zur Verfügung und kann daher auf einem eigenen Server installiert werden. Die Installation ist im Vergleich zu WordPress etwas aufwendiger, aber nicht unmöglich. Wichtig ist, dass auf dem Webserver CGI möglich ist und perl samt diverser Erweiterungen installiert ist, PHP ist zusätzlich für einige Funktionen notwendig. Als Datenbank wird MySQL verwendet. Im Detail ist das in den System Requirements aufgeführt.

MT mag einem an der einen oder anderen Stelle schon etwas antiquiert vorkommen. Tatsächlich hat es gegenüber WordPress aber einen entscheidenden Vorteil: Die Webseiten werden statisch als HTML-Dateien abgespeichert. Dadurch erfolgt der Abruf ohne Datenbankzugriff und ist vergleichsweise schnell. Zu Zeiten, als WordPress noch nicht so verbreitet war, wie es heute der Fall ist, war MT für mich daher immer ein Kandidat für Blogs, die mit hohem Traffic zu rechnen hatten und/oder von vorneherein als Mehrbenutzer-Blogs ausgelegt werden. Mittlerweile dürften beide Kriterien aber als hinfällig gelten. Rechenleistung und schnelle Platte gibt es im Überfluss und wo das nicht reicht, helfen Plugins dem WordPress auf die Sprüngen. Seit WordPress MU zum normalen Worpdress gehört, sind damit auch passable Mehrbenutzer-Blogs einfach zu realisieren.

Doch egal ob man jetzt mit MT den technisch anspruchsvolleren Weg einschlägt oder auf die Weisheit der Massen vertraut, die sich für WordPress entschieden haben, bleibt ein grundsätzliches Problem: die alten URLs. Denn die Inhalte können zwar umgezogen werden, die Adresse, unter der sie bisher erreichbar waren und wo sie unter Umständen von anderen Seiten verlinkt wurden, jedoch nicht.
Verkraftbar ist es dort, wo das Blog über das Domain-Mapping von Typepad eine eigene Domain hatte. Wer unter einer Subdomain von typepad.com oder blogs.com gebloggt hat, wird damit leben müssen, dass die alten Artikel so lange dort vorhanden sein werden, bis das Blog selbst gelöscht wurde oder Typepad tatsächlich seinen Dienst einstellt. Eine Weiterleitung der alten URLs auf die neue Plattform ist nicht möglich.

Das betrifft auch die Bilder, die bei Export/Import nicht berücksichtigt werden. D.h. selbst wenn die Artikel auf der neuen Plattform verfügbar sind und dort auch die Bilder zu sehen sind, liegen sie nach wie vor auf den Servern von Typepad und werden nur referenziert. Eine Blog-Artikel des Dienstleisters foliovision1 von 2008 beschreibt, wie das Problem im Falle eines Umzugs zu WordPress gelöst werden kann. Ob es auch heute noch tatsächlich so funktioniert, habe ich noch nicht getestet, es sieht aber plausibel aus.

Was mit Typepad weiter passiert, wird die Zukunft zeigen. Grund zur Panik besteht im Moment jedenfalls noch nicht. Aber wie die die Ankündigung zur Einstellung des europäischen Support zeigt, kann da auch mal innerhalb von zwei Wochen eine grundlegende Veränderung eintreten. Wenn es dann wirklich so weit ist, könnte es vielleicht schon zu spät sein, weil dann die einschlägigen Dienstleister mit Aufträgen überrannt werden. Hilfreich ist es im Moment auf alle Fälle, wenn regelmäßig ein Backup über die Import/Export-Funktion von typepad zu erstellen, dann sind wenigstens die Texte gerettet.
Ob der Umstieg dann auf Moveable Type oder WordPress erfolgt, ist dann primär eine Frage des persönlichen Geschmacks und weniger des zu erwartenden Aufwands.

1 Interessanterweise bietet foliovision die Konvertierung von typepad nach WordPress auch als Paket für $500 aufwärts, inklusive Webdesign und Schulung, an.

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